
Superblocks sind als Verkehrsberuhigungskonzept aus Barcelona bekannt, wo sechs Umsetzungen im Stadtraum existieren. In Wien kennen wir das Supergrätzel Favoriten als einzige Realisierung des Konzepts. Bürger:innen-Initaitiven wie Supergrätzel Lichtental setzen sich für weitere ein. Berlin hingegen ist mit 13 umgesetzten sogenannten Kiezblocks führend, 71 Initiativen sind in der deutschen Hauptstadt für einen verkehrsberuhigten Kiez aktiv. Wir haben daher in Kooperation mit der NGO Changing Cities Berlin eine Menge Hinweise für euch zusammengetragen, wie ihr eine Superblock-Initiative in Wien starten könnt! Aber zuerst noch ein kleiner Abriss der Konzeptgeschichte.
Barcelona: Äpfel mit Inseln vergleichen
Barcelonas “superilla”-Programm brachte im Jahr 2016 das erste Pilotprojekt im Poblenou-Bezirk hervor. Das katalanische Wort “superilles” bedeutet “Superinseln” – nämlich Ruheinseln im Verkehrsgetöse. Neun Häuserblocks werden dabei durch Umleitungen so verkehrsberuhigt, dass es keinen Kfz-Durchzugsverkehr mehr gibt und Aufenthaltszonen im Zentrum der Blockstruktur entstehen. Der spanische Begriff dafür lautet “super-manzanas”, also “Superäpfel”. International hat sich der Terminus “Superblock” verbreitet. Erste Prototypen dafür gab es 1993 in Barcelona im El-Born-Viertel; die Idee entstand 1987 durch Salvador Rueda. Hier gibt es einen kurzen Überblick: Barcelona Architects.

Sant Antoni Superblock in Barcelona. Foto: Mariona Gil/barcelona.cat, CC BY-NC-ND 4.0
Wien: vom Super zum Low Traffic Grätzel
In Wien wurde das Supergrätzel Favoriten im Herbst 2025 fertiggestellt, die offizielle Eröffnung erfolgt im Mai 2026. Dieses Projekt stellt – nach langer Pilotphase und schrittweiser Ergänzung von Pollern zur Kfz-Eindämmung – eine vorbildliche Umsetzung mit hoher baulicher Qualität und zahlreichen Begrünungsmaßnahmen dar. Rund ein Drittel der Kfz-Stellplätze wurden dabei reduziert. Herzstück ist die neue Fuzo rund um die Volksschule Herzgasse. Dennoch hat sich die Stadtregierung vom Wort “Supergrätzel” verabschiedet – oder eigentlich deswegen. Denn die Baumaßnahmen wurden in den Augen der Stadt Wien zu teuer für einen Roll-Out weiterer Umsetzungen dieser Qualität. Abhilfe schuf eine Wortneuschöpfung im Stadtentwicklungsplan “Wien-Plan” 2035 (unsere Analyse hier). Das “Low Traffic Grätzel” nach Vorbild der Londoner Low Traffic Neighbourhoods ward geschaffen, Umsetzungen nach diesem günstigeren Konzept sind angekündigt. In Wien warten jedoch sieben auf Bezirksebene beschlossene Supergrätzel auf Umsetzung; mehr dazu in unserem Artikel hier.

Poller, Upcycling-Betonpflanzringe als “Verkehrsfilter” und neue Bäume im Supergrätzel Favoriten. Foto: WirMachenWien 2026

Hochwertige Pflasterung, Bäume, Beete, Schattendach und Sitzmobiliar sowie ein Trinkbrunnen im Supergrätzel Favoriten. Foto: WirMachenWien 2026
Berlin: die Kiezblock-Hauptstadt
Die autofreundliche CDU-Stadtregierung hat in Berlin zwar die Budgets für weitere Superblock-Umsetzungen gestrichen, aber 13 Umsetzungen von Kiezblocks existieren schon. Ein Fokus der Berliner Plattform Changing Cities liegt auf der Vernetzung und Beratung lokaler Bürger:innen-Initiativen, die weitere solche “Kiezblocks” fordern – also die Berliner Spielart des Superblock-Konzepts. Dafür hat Changing Cities Leitfäden entwickelt, bietet Online-Beratung von “Dr. Kiezblock” bzw. unter dem neuen Titel “Die Kurve kriegen” an und bündelt über 70 solche Initiativen in Berlin. Davon können wir viel lernen! Nämlich auch, dass Superblocks nicht so teuer sein müssen, wenn die Verkehrsberuhigung im Mittelpunkt steht. Allerdings bleiben Baumpflanzungen dann auf der Warteliste, und die Aufenthaltsqualität ist nicht so hoch – vor allem bei Hitze, wenn Beschattung und Grün fehlen.

Einen Überblick aller deutschen Superblock-Initiativen findet ihr auf kiezblocks.de
Tools für Superblock-Initiativen aus Berlin
Im Rahmen unserer Workshop-Serie “Toolbox for City Changers” haben wir Infomaterial von Changing Cities gesammelt, das für Wiener Initiativen sehr hilfreich sein kann. Auch wenn ihr erst dabei seid, eure Idee zu formen und Verbündete zu suchen!
- Changing Neighbourhoods: Präsentation aus einem gemeinsamen Workshop in Ljubljana > PDF download
- How to Superblock: Schritt für Schritt durch den Prozess der Initiativengründung > PDF download
- Verkehrszählung durchführen: Artikel
- Gesprächsleitfaden mit Gewerbetreibenden: Artikel
- Aktionsideen für Superblock-Initiativen: Artikelsammlung
- Faktencheck für Kiezblocks: Artikel
- Planungsstandards für Superblocks: Artikel
- Verkehrsberuhigung in Berlin: Artikel und Studie über positive Wirkung der Kiezblocks

Tipps von WirMachenWien und Radlobby
Ergänzend haben wir hier eine Sammlung von Wissen aus Wien, das bei unserem Workshop “Superblocks & spielerische Interventionen” am 21.3.2026 gemeinsam mit der Radlobby Wien entstand.
- Superblocks für Wien: Präsentation von WirMachenWien und Radlobby Wien > PDF download
- Spielerische Interventionen: Ideensammlung für Aktionen in deinem Grätzel > PDF download
- Superblock-Grundkarte von Radlobby und Geht-doch: Link
- Erkenntnisse des SUPERBE Forschungsprojektes in Wien als Kartenansicht von potenziellen Superblocks: Link

Ansicht der Grundkarte für Superblocks in Wien
Planning like in London
Nicht nur die Konzeptanleihe der “Low Traffic Grätzel” von Stadträtin Ulli Sima kommt aus London, auch ein weltweit anwendbares Planungstool für Amateur:innen wurde an der Themse entwickelt, das bei der Planung von “Low Traffic Neighbourhoods” (LTN) bzw. eben Superblocks unterstützt. Damit können u.a. Verkehrsumleitungen, aka “modal filter”, gesetzt werden und deren Auswirkungen modellhaft beobachtet werden. Unter diesem Link kommt ihr zu diesem “LTN-Tool” mit der Voreinstellung des Wiener Czerninviertels: LTN-Tool. Jede:r kann dort eigene Superblocks anlegen und verändern.

Wollt ihr eine Superblock-Initiative in eurem Grätzel starten?
Dann meldet euch bei uns: info@wirmachen.wien
Bild oben: Bellermannkiezblock in Berlin-Mitte, Foto: BA SGA Mitte, L. Fritsche