Von der Theorie zum Handeln: Wie können wir erfolgreich in die Stadtpolitik Wiens eingreifen? Welche Handlungsoptionen haben Initiativen für Klimagerechtigkeit und Partizipation? Diese Fragen nach den Strategien hinter dem eigenen Tun sind essentiell für Inititiaven, um ihre Energien zielgerichtet einsetzen zu können.

Der WirMachenWien-Workshop am 28. Februar 2026 zum Thema „Theories of Change“ konnte zahlreiche Bürger:innen-Initiativen versammeln.
Wir haben dabei Vorträge zu Narrativen des Wandels gehört, Theorien verglichen und konkrete Ansätze für Wien gesucht. Unsere Analyse der offiziellen Zielsetzungen der Stadtregierung gab den Rahmen für konkrete Überlegungen: Wie kannst du das für deine Initiative einsetzen? Wo kannst du anknüpfen? Welche Mittel führen zum Ziel?
Aus den Vorträgen resultierte ein Leitfaden, den ihr hier downloaden könnt.
Narrative des Engagements
Narrative des Wandels bezeichnen erzählerische Deutungsmuster, die Transformationsprozesse strukturieren und verständlich machen. Sie konstruieren vereinfacht, wie Wandel oder Historie wahrgenommen, gestaltet und erinnert wird. Das gilt für große Erzählungen des Nationbuildings ebenso wie für die Selbstwahrnehmung von Inititiativen. Wofür setzen wir uns ein? Wie wollen wir das erreichen? Was ist die Basis unseres Tuns? Ein Beispiel dafür ist dieser Versuch, die große Grassroots-Kampagne “Platz für Wien” aus dem Jahr 2020, aus der WirMachenWien hervorging, in ein solches Narrativ des Engagements zu packen:
Wir wollten eine große Änderung der gesamten Verkehrspolitik in Wien erreichen, indem wir viele Unterschriften sammeln, großes Medienecho erzeugen und damit die Rot-Grüne Koalition zwingen, ein Mobilitätsgesetz wie in Berlin zu beschließen. Die Wienwahl 2020 war das beste Zeitfenster dafür. Dafür versammelten wir die ganze Wiener Verkehrsumweltbubble.
Wie würde das Narrativ deiner Initiative lauten? Versuch es aufzuschreiben!

Theories of Change
Politikwissenschaftliche Theorien des Wandels befassen sich kurz gesagt mit Anleitungen politischen Handelns, die sich auf bestimmte Annahmen begründen, wie soziale Realität funktioniert und wie Akteur:innen in diesem Kontext erfolgreich an Änderungen arbeiten können. Mittels theoretischer Sichtweisen sollen reale Politikinhalte in Umsetzung gebracht werden. Nach der jeweiligen Theorie des Wandels richten sich die zu verwendenden Strategien, Taktiken und Instrumente.
Hier könnt ihr den Vortrag vom WirMachenWien-Workshop am 28.2.2028 von Sebastian Raho und Alec Hager nachsehen (20 Minuten, Youtube)
In unserem Leitfaden findet ihr einen Überblick von 10 solchen “Theories of Change”, aus denen ihr ganz konkrete Inputs für die lokale Arbeit von Initiativen in Wien ableiten könnt. Wir haben uns mit drei Theorien genauer beschäftigt: Die “Große Sprünge“-Theorie konstatiert, dass radikaler Wandel in plötzlichen, großen Sprüngen entsteht. Elemente davon sind die Neudefinitionen eines Problems, Neueintritt von Akteur:innen und gesteigerte mediale Aufmerksamkeit. Gute Bedingungen für weitreichende Transformation laut dieser Theorie:
- Thema wird medial besonders relevant
- fundamentales Hinterfragen bisheriger Ansätze in der Öffentlichkeit
- neue, wichtige Akteur:innen treten in die Öffentlichkeit
Die “Grassroots-Theorie” wiederum ist der Überzeugung, dass Personengruppen durch gemeinschaftliches Handeln Macht aufbauen können, um sozialen Wandel herbeizuführen. Nicht nur Eliten haben Macht! Die “Gruppenbildung“-Theorie hängt damit zusammen und sieht in dem Zusammenschluss von Menschen, die ähnliche Werte und Ziele haben, die Basis für sozialen Zusammenhalt und Kooperation. Individuen identifizieren sich über sozialen Kategorien, sie …
- übernehmen deren Normen als Selbstbild
- betonen interne Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede zu Außengruppen
- erreichen dadurch eine positive soziale Identität

Link zum Paper “Pathways of Change”
Handlungselemente für Initiativen
Aus den zahlreichen Theorien des Wandels, die sehr vielfältig und nicht immer abgrenzbar sind, lassen sich Elemente herauslösen, die je nach eurem jeweiligen Ansatz und Ziel für eure Initiative nützlich sein können. Zum Beispiel:
- Agenda Setting betreiben
- Prominente Unterstützer:innen anwerben
- Attraktivität für Medien anstreben
- Window of Opportunity nutzen
- Mächtige beeinflussen
- Mit Regime arbeiten
- Eigene Allianzen schmieden
- Framings neu setzen
- Soziale Normen betonen
- Capacity Building betreiben
- Vertraute Werte kommunizieren
Was davon passt für euch? Findet es heraus! Hier geht es zu unserem Leitfaden: DOWNLOAD

Fotos: Bernhard Hayden, Peter Provaznik
Mitarbeit an Leitfaden und Workshop: Barbara Laa, Alec Hager, Sebastian Raho, Felix Parthl