Wiener Superblock Update: Herbst 2026

Aufnahm der Wolfganggasse, wo die Umgestaltung zum Low Traffic Grätzl begonnen hat.
Die Wolfganggasse in Meidling ist jetzt von rosa Punkten geziert, wo bald die Fahrbahn zur Fußgehzone umgewidmet wird.

Der Bau von Wiens erstem „Low Traffic Grätzl“ (LTG) in Meidling hat begonnen. Zur Umsetzung stellt die Stadt jedem Bezirk bis zur nächsten Wahl 50.000 € als Förderung zur Verfügung – das ist die Chance, aktiv zu werden. Denn noch längst nicht alle Bezirke haben Interesse angemeldet. Bringen wir die Verkehrsberuhigungswelle voran!

Zur Erinnerung: Ein „Low Traffic Grätzl“ ist eine verkehrsberuhigte Nachbarschaft, die dem Superblock-Prinzip folgt. Die Stadt Wien hat sich selbst mit dem Supergrätzl Favoriten einen „Platinstandard“ gesetzt – das Grätzl wurde Schritt für Schritt umfassend umgestaltet, 66 neue Bäume wurden gepflanzt. Platin wohl, weil das Projekt als “internationales, klimafittes Vorzeigeprojekt” fungieren darf – während folgende Verkehrsberuhigungen nicht mehr mit so umfassenden baulichen Maßnahmen einhergehen werden. „Low Traffic Grätzl“ sollen vorrangig mit “Tactical Urbanism”-Maßnahmen umgesetzt werden, also oberflächlichen Veränderungen des Straßenraumes wie Bemalungen, Pflanztrögen oder Poller. (Mehr zu Tactical Urbanism in Wien hier)

Als die Stadt dieses Jahr ihre Pläne zur Förderung von LTGs angekündigt hat, haben wir gemeinsam mit Geht-Doch und der Radlobby die Wiener:innen gefragt, wo es Verkehrsberuhigung braucht. Herausgekommen sind 423 Ideen, die wir ausgewertet haben. Die große Zahl an Ideen und Unterstützer:innen zeigt, wie wichtig euch und uns dieses Thema ist. Über die große Resonanz berichtet auch die Bezirkszeitung. 

Wie es politisch gerade zu Low Traffic Grätzln aussieht

Wir haben uns Mitte Oktober mit der zuständigen Magistratsabteilung 18 und dem Büro der Verkehrsstadträtin getroffen und eure Ideen überreicht. Sie wurden außerdem allen 23 Bezirksvorstehungen übermittelt. Die meistgenannten Viertel besprechen wir vertieft mit den Zuständigen auf Stadt- und Bezirksebene.

Und das wurde gehört: 11 der 23 Bezirke haben sich bereits bei der Stadt Wien zur Umsetzung von „Low Traffic Grätzln“ angemeldet! Klar ist inzwischen, dass „Low Traffic Grätzl“ in Bezirksgassen auf Bezirksebene gestartet und entschieden werden müssen. Die Stadt Wien unterstützt Bezirke bei der Umsetzung. Die Radlobby hat den Weg zum Low Traffic Grätzl hier aufbereitet:

Eine Planung nach Superblock-Prinzipien ist leider noch nicht Standard bei gewöhnlichen Sanierungen, Neu- und Umplanungen. Seitens Stadt Wien wurde immerhin bereits fachlich flächendeckend untersucht, wo im Stadtgebiet Superblocks umgesetzt werden könnten, mit für ganz Wien interessanten Ergebnissen – die sie uns im Gespräch allerdings nicht verraten wollte. Weiters ist ein Kriterienkatalog in Arbeit, anhand dessen die von Bezirken vorgeschlagenen „Low Traffic Grätzl“ Vorhaben gemessen werden. Ein Baukasten soll einen Überblick über bewährte Straßenelemente geben. Wie viel Begrünung mit einem „Low Traffic Grätzl“ einhergeht, ist variabel – zur Entlastung der städtischen Ressourcen ist Grünpflege durch Dritte eine Option. Klar ist, dass die grundlegende Voraussetzung eine Neuorganisation des Verkehrs ist. Wie viele weitere Elemente kommen, ist flexibel.

Besonders interessant: Die Gebiete können sich im Laufe der Zeit noch weiterentwickeln. Wo ein „Low Traffic Grätzl“ vorerst ausschließlich mit Tactical Urbanism-Maßnahmen implementiert wird, können mittel- oder langfristig weitere Schritte gesetzt werden.

Tabelle zu Umgestaltungsoptionen für Verkehrsberuhigung in Wien mit drei Varianten und kurz-, mittel- und langfristigen Beispielen. Variante A: ausschließlich Tactical Urbanism; kurzfristig das Supergrätzl Favoriten, langfristig das Stuwerviertel. Variante B: Tactical Urbanism und bauliche Maßnahmen; kurzfristig der Campus Gertrude Fröhlich Sandner-Schule, mittelfristig das Supergrätzl Favoriten. Langfristig wird der Schulcampus nachbegrünt. Variante C: bauliche Umsetzung gemeinsam mit anderen Projekten wie Neubauvierteln oder Sanierungen; kurzfristig das Sonnwendviertel, langfristig das Supergrätzl Favoriten. Für Variante C ist mittelfristig kein Beispiel angegeben.

Das Stuwerviertel ist ein Beispiel für Wien, bei dem Tactical Urbanism-Maßnahmen langfristigen Bestand haben. Das Supergrätzl Favoriten hat ebenfalls mit Tactical Urbanism-Maßnahmen begonnen, wurde dann aber Schritt für Schritt mit baulichen Maßnahmen ergänzt. Bei der Schule am Bildungscampus Gertrude Fröhlich Sandner wurde mit Tactical Urbanism und baulichen Maßnahmen begonnen, jetzt wird nachbegrünt. Das Sonnwendviertel wurde durch Synergie mit anderen Projekten direkt baulich umgesetzt.

Das zeigt: „Low Traffic Grätzl“ können ein Startpunkt für tiefgreifende Veränderung sein. Wir setzen uns weiterhin intensiv für flächendeckende Kfz-Verkehrsberuhigung und mehr Aufenthaltsqualität nach Superblock-Prinzipien ein. Dazu brauchen wir dich: Werde für dein Grätzl aktiv!

Dank der Förderung der Stadt sind verkehrsberuhigte Grätzl aktuell auf der Tagesordnung. Doch sie sind bei weitem keine neue Idee: Schon 2020 haben wir gemeinsam mit Platz für Wien “100 Superblocks bis 2030” gefordert.

Hilf mit! Werde auch du aktiv:

Die SUPERBE-Karte zeigt, welche Gegenden sich wienweit gut für Superblocks anbieten würden. Wir machen Wien hilft dir, deine Initiative für ein Low Traffic Grätzl bzw. Superblock zu starten. Melde dich bei uns via info@wirmachen.wien und lies in unserem How To: Superblock Initiativen starten

Gemeinsam machen wir Wiens Viertel super.

Weitere Möglichkeiten, aktiv zu werden: