Planungsstadträtin Ulli Sima hat vier verkehrsberuhigte Wohngebiete angekündigt: die lange erwarteteten „Low Traffic Grätzl“. Dieser Begriff löst jenen der “Supergrätzl” ab und orientiert sich an den „Low Traffic Neighbourhoods“ in London. Noch 2026 soll das Gebiet rund um die Wolfganggasse in Meidling umgestaltet werden, weitere Grätzl in den Bezirken 6, 9 und 15 folgen. Da London aber bereits über 200 dieser neighbourhoods umgestaltet hat, fragen wir euch: Wo sollen die nächsten Low Traffic Grätzl (LTG) in Wien sein? Tragt sie auf unserer Karte ein!
Was ist ein LTG?
Neue, kostengünstige Modelle für mehr Verkehrsberuhigung in den Wohnvierteln und Schaffung neuer Aufenthaltsbereiche im Grätzl: So beschreibt die Presseaussendung der Stadtregierung das Konzept des Planungsressorts. “Ohne große bauliche Maßnahmen” soll “Mehrwert für die Anrainer:innen geschaffen werden”, so Ulli Sima. “Oft kann man mit einfachen Maßnahmen wie einer Umleitung des Verkehrs, Bodenbemalungen, mobilem Grün und Sitzbänken große Wirkung erzielen. Wir kombinieren Verkehrsberuhigung mit der Schaffung neuer Aufenthaltsbereiche im öffentlichen Raum.” Damit knüpft sie auch an die bekannten Superblock-Konzepte aus Barcelona und die Kiezblocks in Berlin an, kürzt aber die Ausgaben stark im Vergleich zum Supergrätzl Favoriten.

Bezirksvorsteher Wilfried Zankl, Planungsstadträtin Ulli Sima und Gemeinderat Omar Al-Rawi (alle SPÖ) bei der Pressekonferenz vom 28.5.2026
Als Maßnahmen aus dem LTG-Baukasten werden Modal- und Diagonalfilter für geänderte Verkehrsführung, Poller und Pflanztröge, Fußgängerzonen, Sitzmöbel, Tische, Trinkhydranten und
Fahrradabstellanlagen angeführt. So greift die Stadtverwaltung die Vorgangsweisen des “Tactical Urbanism” auf, wie bereits in Regierungsprogramm und Stadtentwicklungsplan zur Kostenminimierung angekündigt.
Wünsch dir dein Low Traffic Grätzl
Zu den Vorhaben der Stadträtin sagen wir: Gut so, aber wir wollen deutlich mehr Grätzl mit Pollern, Pflanzentrögen und Sitzgelegenheiten! Dabei sind auch Baumpflanzungen wichtig. Daher fragen wir: Wo wünscht du dir dein Low Traffic Grätzl? Trag deinen Vorschlag in dieser Karte von Radlobby und Geht-Doch ein!
Schlage dein LTG vor, indem du das Zentrum in der Karte markierst, einen Namen vergibst und erklärst, was diese Verkehrsberuhogung ausmacht und welche Ideen du dafür hast.

Alle Beiträge werden von Radlobby und Geht-Doch gesammelt und Ende Juli mit einem Forderungspapier an die zuständige Verkehrsstadträtin Ulli Sima sowie die Bezirksvorstehungen übergeben. Bestehende verkehrsberuhigte Viertel und Ideen findest du auch hier auf der Superblock-Grundkarte.
Vier verkehrsberuhigte Grätzl von Meidling bis Mariahilf
Den Beginn der Umsetzung macht Meidling im Herbst 2026 rund um die Wolfganggasse, die eine neue kurze Fuzo bekommt, mit zwei Diagonalfiltern in der Tichtelgasse. Beide Gassen werden dadurch von Durchzugsverkehr befreit. Das Umleitungskonzept erinnert an Superblock-Planungen.

Als weitere drei LTG sollen die Mittelgasse und Sonnenuhrgasse in Mariahilf nördlich der Gumpendorferstraße mit zwei neuen Fuzos, die Umgebung des neuen MedUni-Campus und der Mariannengasse am Alsergrund und das Gebiet rund um den Schwendermarkt in Rudolfsheim-Fünfhaus folgen. Daran ist nicht nur augenfällig, dass alle vier LTG-Bezirke von SPÖ-Bezirksvorsteher:innen geführt werden, sondern auch, dass bereits vorhandener Baumbestand (Wolfganggasse) oder vor Kurzem erfolgte teure Umgestaltungen (Mittelgasse) die jetzt so sparsamen Maßnahmen mit aufwerten. Die Finanzierung der Maßnahmen liegt beim LTG-Konzept im Unterschied zum Supergrätzl Favoriten bei den Bezirken selbst – sie können 50.000€ Förderung aus dem Stadtbudget bekommen.
Die beschattende Begrünung durch neue hochwachsende Bäume, die in der überhitzenden Stadt insbesondere in baumlosen Gassen wie der Tichtelgasse dringend zur Kühlung und für die Luftqualität nötig ist, wird bei diesem Budgetrahmen nicht ausreichend in Aussicht gestellt. SPÖ-Klubobmann Joe Taucher nennt die Low Traffic Grätzl “eine zentrale Maßnahme des Regierungsprogramms, um die Stadt in Einklang mit den Zielen der Stadtentwicklung noch lebenswerter für alle zu gestalten. Dazu gehört auch, den öffentlichen Raum klimafit zu machen.” Ob das mit Pflanztrögen erreichbar ist?

Rendering des Kreuzungsbereichs Tichtelgasse/Fockygasse mit Diagonalfiltern, die ressourcenschonend aus den ausgemusterten Betonmistkübeln der Donauinsel bestehen, und mit Bondenmarkierungen, die an die Pilotphase des Supergrätzel Favoriten erinnern.
Die Auswahl der Low Traffic Grätzl-Gebiete erfolgt laut Stadtverwaltung auf Basis der im Stadtenwicklungsplan 2035 aka “Wien-Plan” definierten prioritären Gebiete für die Transformation des öffentlichen Raums. Abhängig von der Bebauungsstruktur im Projektgebiet und weiteren Gegebenheiten können sich demzufolge LTG sowohl hinsichtlich Größe als auch Ausgestaltung unterscheiden. Wir werden die ersten Umsetzungen genau beobachten und freuen uns auf eure Vorschläge für weitere LTG, die vor dem Ansetzen des Sparstifts auch Supergrätzel hätten werden können.
Diese Ideensammlung ist ein gemeinsames Projekt von Radlobby Wien, Geht-Doch und WirMachenWien. Mehr zu “Tactical Urbanism” in unserem Ratgeber How-To Tactical Urbanism für Wien. Tipps zur Gründung von Initiativen für verkehrsberuhigte Superblocks und LTG findest du in diesem How-To Superblock.
Grafiken: zoomVP, Stadt Wien | Fotos: Christian Fürthner, Stadt Wien

