Seit dem Jahr 2022 hat die Stadt Wien 21 Schulvorplätze umgestaltet und 13 komplett neu errichtet. Insgesamt gibt es nun 93 Schulstandorte, an denen der Vorplatz laut Definition der Stadtverwaltung autofrei ist. Wir haben uns mit der Initiative geht-doch angesehen, was hinter dieser Zahl steckt. Resultat: Das ist noch lange nicht genug! Aber was bedeutet das im Detail?
Vergleichsstudie der Stadt Wien
Mit Anfang Februar 2026 liegt die Studie “Evaluierung Wiener Schulvorplätze – Erhebung der verkehrlichen Situation von Schulvorplätzen vor Wiens Volksschulen” vor. Sie untersucht, wie sich Wiener Schulvorplätze in den Jahren 2021 bis 2025 verändert haben. Das Fazit der Stadt Wien zu den Ergebnissen lautet: “Der Vergleich mit der Erhebung aus dem Jahr 2021/2022 zeigt in nahezu allen untersuchten Kriterien Verbesserungen. Das zeigt deutlich die Bemühungen der Stadt Wien, Schulumfelder stetig qualitativ zu verbessern.” Die Initiative geht-doch entgegnet dem in ihrem Artikel:
“In dem Tempo dauert es 55 Jahre, bis alle Kinder in Wien einen sicheren und autofreien Schulvorplatz haben! Unsere Urenkelkinder können sich freuen!”
Was bedeutet autofreier Schulvorplatz?
Schulvorplätze können unterschiedlich gestaltet sein. Viele Schulvorplätze in Wien sind nichts anderes als ein Gehsteig, der zur Schule führt. Vor dem Schultor und zur Abgrenzung zur Fahrbahn befindet sich ein Zaun, der in der Fachsprache: “Prellgitter” genannt wird, damit die Kinder bei Unterrichtsende nicht aus der Schule hinaus direkt auf die Straße laufen.
Forderung von geht-doch: Ein autofreier Schulvorplatz ist eine große, sichere und angenehme Fläche vor der Schule. Etwa in Form einer Straße, die vom Autoverkehr befreit ist.
316 Schulen werden von der Studie angeführt, davon weisen 97 Schulen einen halbwegs sicheren und angenehmen Schulvorplatz auf. 219 Schulen können also damit nicht aufwarten. Fünf verschiedene Typen von Vorplätzen werden im Bericht definiert:
- Gehsteig inklusive Prellgitter, das sind Stand 2024/25: 114
- Langer Zugang z.B. durch den Schulgarten, ums Schulgebäude herum: 45
- Platzartigen Situation vor dem Eingang: 49
- Ecksituation: 11

Die Schulvorplatztypen 3 und 4 in der schematischen Darstellung aus dem vorliegenden Bericht. Quelle: Stadt Wien, Rosinak & Partner 2026: Analyse Schulvorplätze in Wien
Der beste Schulvorplatz ist ein Park
Der 5. Typ bezeichnet Schulvorplätze im Verbund, also speziell mit mehr Platz: gesamt 97, im Detail:
- Schule mit Parkanschluss, die beste Variante: 34
- mit Auto-freiem Straßenraum, temporär als Schulstraße oder permanent: 39
- mit Auto-freier Hofsituation: 13
- mit einem Vorfeld vor der Schule: 11

Die Schulvorplatztypen der besten Kategorie 5 in der schematischen Darstellung aus dem vorliegenden Bericht. Quelle: Stadt Wien, Rosinak & Partner 2026: Analyse Schulvorplätze in Wien

Kinder vor ihrer Schulstraße am Keplerplatz in Favoriten, die nur temporär jeden Morgen für Autos gesperrt ist. Foto: Mobilitätsagentur Wien/Christian Fürthner
Die Zahlen im kritischen Vergleich
Schulen sollten dauerhaft autofreie Schulvorplätze haben, damit dieser Raum den Kindern zu Gute kommt: als sicherer Ort für den Schulweg, als integrativer Kommunikationsort für Schüler:innen und deren Eltern, als erweiterter Klassenraum, als Repräsentationsort der Schule und als Freiraum für die notwendige Bewegung der Kinder.
Darum forderte geht-doch schon 2020 im Rahmen von #PlatzFürWien: 350 Schulen inklusive VS, MS, AHS sollen bis 2030 einen autofreien Schulvorplatz bekommen!
Nur auf Volksschulen bezogen wären das mindestens 175 autofreie Schulvorplätze vor Volksschulen bis 2030. Das führt zu Kritikpunkt 1: 2025 gibt es laut Analyse 97 autofreie Schulvorplätze der 5. Kategorie. Das ist zwar eine Steigerung um 20% zu 2021, aber nicht einmal ein Drittel aller Volksschulen. 219 Schulen fehlen noch, 21 Schulvorplätze wurden in fünf Jahren umgestaltet, also vier pro Jahr. 219 durch 4 = 55. Daher das Ergebnis der von geht-doch erwähnten 55 Jahre, bis alle Volksschulen Wiens einen sicheren, autofreien Schulvorplatz haben.
Kritikpunkt 2 betrifft die Qualität der Umbauten. Acht der 21 Schulvorplätze haben sich trotz Umbaus laut Analyse nicht verbessert. Daher fragt geht-doch: Nach welchen Kriterien werden Schulen umgebaut? Warum gibt es keine Qualitätssicherung der Stadt Wien für Verbesserungen, der bei jedem Umbau angewandt wird?

Acht Schulen weisen die selben Beurteilungen vor und nach dem Umbau auf. Quelle: Stadt Wien / Rosinak & Partner 2026: Analyse zu Schulvorplätzen
Der 3. Kritikpunkt betrifft die Anbindung an kinderfreundliche Radinfrastruktur: Im Jahr 2025 sind 29% der Volksschulen in dieser Weise erreichbar, im Jahr 2021 waren es noch 22%. In absoluten Zahlen wurden also nur 7 Volksschulen pro Jahr an kinderfreundliche Radinfrastruktur angeschlossen.
Wenn die Stadt Wien weiterhin nur 7 Volksschulen pro Jahr ans sichere Radverkehrsnetz anbindet, dauert es bis zur Anbindung aller Volksschulen mit der jetzt fehlenden Anzahl von 223 Schulen noch 32 Jahre!
Kritikpunkt 4 von geht-doch zielt auf die durchschnittliche Fläche pro Kind und Schulvorplatz: Sie ist im Schnitt von 2021 bis 2025 geringfügig gesunken, weil knapp 10.000 Kinder mehr in Wiens Volksschulen sind als noch vor 5 Jahren. An der steigenden Anzahl der Schüler:innen zeigt sich, dass es enormen Bedarf gibt, weitere Vorplätze autofrei zu schaffen, damit dieser Raum vielen Kindern täglich zu Gute kommt.
Das Fazit von geht-doch: “Ja, es geht in die richtige Richtung, aber zu langsam. Die Stadt Wien sollte diese Analyse als Aufforderung betrachten, viel schneller an tatsächlichen Verbesserungen zu arbeiten, und jedes Jahr zumindest an 20 weiteren Schulen eine kinderfreundliche, also sichere und permanent autofreie Situation zu schaffen, die eine Schulnote 1 verdient.“

Kindgerechter autofreier Schulvorplatz in der Stubenbastei, Foto: zwoPK
Unsere Online-Toolbox für kindersichere Schulvorplätze
Wenn ihr Eltern oder Lehrer:innen seid, die sich für eine verbesserte Situation vor eurer Schule einsetzen wollt, dann schaut in unsere Online-Toolbox oder fordert unser Webinar zur Einführung in diese Toolbox an!
Der Artikel mit der Analyse von geht-doch ist hier zu finden.

