Die Taborstraße steht vor einer wichtigen Entscheidung. Ab 2027 sollen entlang der Straße umfangreiche Gleisarbeiten stattfinden. Wenn Schienen erneuert, Haltestellen angepasst und der Straßenraum ohnehin aufgegraben wird, stellt sich eine einfache Frage: Wird danach bloß der alte Zustand wiederhergestellt – oder nutzt Wien diese Gelegenheit für eine sichere, grüne und lebenswerte Taborstraße?
Bis 31. Juli 2026 läuft noch das Beteiligungsverfahren der Stadt Wien. Alle Interessierten können online einbringen, was sie an der Taborstraße stört und was sich ändern muss.
>> Nimm dir jetzt zwei Minuten Zeit und bring deine Wünsche ein!
Eine Straße, die nicht zu den Menschen passt
Die Taborstraße verbindet den Schwedenplatz mit der Leopoldstadt. Entlang der Straße wird gewohnt, gearbeitet, eingekauft, auf die Straßenbahn gewartet, zur Schule gegangen und mit dem Rad gefahren.
Trotzdem ist der Straßenraum vielerorts noch immer so aufgeteilt, als wären das Durchfahren und Abstellen von Autos seine wichtigsten Funktionen. Gehsteige sind teilweise zu schmal, Querungen unübersichtlich, Radfahren ist in vielen Abschnitten unangenehm oder gefährlich. Schatten, Bäume und konsumfreie Aufenthaltsorte fehlen fast vollständig.
Besonders an heißen Tagen zeigt sich: Die Taborstraße ist nicht fit für die Zukunft.

Dabei müsste eine wichtige Hauptstraße heute viel mehr können. Sie muss sichere Schulwege bieten, älteren Menschen und Menschen mit Mobilitätseinschränkungen ausreichend Platz geben und Radfahren ohne Angst vor Straßenbahnschienen oder plötzlich geöffneten Autotüren ermöglichen. Sie braucht Bäume, Schatten, Sitzgelegenheiten und Raum für Begegnung.
Gerade in der Leopoldstadt ist diese Schieflage besonders auffällig. Laut VCÖ legen die Bewohner des 2. Bezirks bereits 58 Prozent ihrer Alltagswege zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurück. Mit einem Radverkehrsanteil von 18 Prozent liegt die Leopoldstadt sogar an der Spitze aller Wiener Bezirke.
Die Frage ist daher nicht, ob Gehen und Radfahren auf der Taborstraße mehr Platz bekommen sollen. Die Frage ist, warum sie ihn nicht längst haben?!
Die große Vision: weniger Autoverkehr, mehr Stadt

Die naheliegende Vision ist eine weitgehend autofreie Taborstraße: mit Straßenbahn, sicherem Radverkehr, Liefermöglichkeiten, Zufahrt für Einsatzfahrzeuge und Lösungen für Menschen, die tatsächlich auf eine Zufahrt angewiesen sind – aber ohne alltäglichen Durchzugsverkehr und ohne parkende Autos als Standardnutzung des öffentlichen Raums.
Das wäre kein Verlust, sondern ein Gewinn an Stadt:
Mehr Platz zum Zu-Fuß-Gehen. Mehr Platz für Bäume und Schwammstadt-Prinzip. Mehr Platz für sichere Radwege. Mehr Platz für Kinder, ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen. Mehr Platz für Geschäfte, Nachbarschaft und konsumfreien Aufenthalt.

Andere Städte zeigen, dass Straßenbahn und autofreier Straßenraum gut zusammenpassen. Die Linzer Landstraße ist seit Jahrzehnten Fußgängerzone und zugleich ein zentraler Abschnitt des Straßenbahnnetzes.
Eine durchgehende Fußgängerzone wird unter den derzeitigen politischen Bedingungen wohl nicht sofort umgesetzt werden. Trotzdem ist es wichtig, diese Vision auszusprechen. Sie zeigt, wohin sich die Taborstraße langfristig entwickeln sollte.
Gleichzeitig dürfen wir darüber die jetzt erreichbaren Verbesserungen nicht aus den Augen verlieren.
Was jetzt zumindest passieren muss
Wenn die Taborstraße umgestaltet wird, darf es nicht bei ein paar Pflanztrögen, einzelnen Bankerl und kosmetischen Verbesserungen bleiben. Der Straßenraum muss konsequent zugunsten von aktiver Mobilität, Öffis, Barrierefreiheit, Klimaanpassung und Aufenthalt neu verteilt werden.
Die Initiative Geht-Doch fordert eine Taborstraße, in der Menschen wieder im Mittelpunkt stehen: mit viel Platz für Gehen und Radfahren, schattigen Aufenthaltsbereichen ohne Konsumzwang, durchgängigen taktilen Bodenleitsystemen und platzsparender Transportradlogistik. Dafür braucht es konsequente Verkehrsberuhigung und die Umnutzung eines großen Teils der Parkspuren.
Auch für den Radverkehr ist die Taborstraße entscheidend. Sie ist seit Jahrzehnten als Hauptradroute zwischen Brigittenauer Brücke und Schwedenplatz vorgesehen. In den äußeren Abschnitten wurden bereits Verbesserungen umgesetzt. Die Radlobby Wien setzt deshalb dafür ein, dass auch die Lücke zwischen Augartenspitz beziehungsweise Blumauergasse und Schwedenbrücke geschlossen werden.
Das kann durch baulich getrennte Radwege geschehen – oder durch eine so wirksame Verkehrsberuhigung, dass Radfahren auch im Mischverkehr sicher wird. Entscheidend ist, dass Radfahrende nicht länger ständig Straßenbahnschienen kreuzen oder in der Türzone parkender Autos fahren müssen.
Auch bei den Haltestellen braucht es bessere Lösungen. Überfahrbare Haltestellenkaps, wie sie etwa auf der Ottakringer Straße umgesetzt wurden, können Radfahrende außerhalb des Schienenbereichs führen, ohne den Straßenbahnbetrieb zu behindern.
Gefährliche Engstellen rasch entschärfen

Manche Bereiche brauchen nicht nur langfristige Konzepte, sondern rasch eine Lösung. Dazu gehört die Engstelle im Bereich Taborstraße 80. Besonders für Kinder, ältere Menschen und Menschen mit Mobilitätseinschränkungen ist die Situation dort gefährlich.
Geht-Doch schlägt daher vor, die bestehende Fußgängerzone bei der Schule Lessinggasse entlang der Taborstraße bis zum Eck Am Tabor zu verlängern. Gerade in einem Schulumfeld sollte die Sicherheit von Kindern selbstverständlich Vorrang haben.
Die Umgestaltung muss insgesamt dafür sorgen, dass Menschen aller Altersgruppen und Fähigkeiten sicher, selbstbestimmt und gesund unterwegs sein können. Das ist keine Verschönerungsmaßnahme, sondern eine Grundvoraussetzung für eine funktionierende Stadt.
Jetzt entscheidet sich, was nach den Bauarbeiten bleibt
Die Taborstraße war immer ein Ort der Bewegung, Verbindung und Veränderung. Aber Bewegung bedeutet nicht automatisch Autoverkehr. Eine Straße kann verbinden, ohne laut, gefährlich und überhitzt zu sein.

Wenn die Gleise erneuert werden, wird die Straße ohnehin angegriffen. Jetzt entscheidet sich, ob danach wieder der alte Autoraum hergestellt wird – oder ob die Leopoldstadt endlich eine menschenfreundliche Hauptstraße bekommt.
Schreib daher in die Beteiligung, was du dir von der Taborstraße erwartest:
- Eine Taborstraße ohne Durchzugsverkehr.
- Eine Taborstraße mit deutlich weniger privaten Dauerparkplätzen.
- Eine Taborstraße mit sicheren, breiten Gehwegen.
- Eine Taborstraße mit durchgängiger, sicherer Radinfrastruktur.
- Eine Taborstraße mit Vorrang für Öffis, Barrierefreiheit, Schatten, Bäume und Aufenthalt.
- Eine Taborstraße, die langfristig als weitgehend autofreier Straßenraum gedacht wird.
- …
Die große Vision bleibt eine Taborstraße, in der Menschen im Mittelpunkt stehen. Der nächste konkrete Schritt ist, diese Forderung jetzt sichtbar zu machen.
>> Mach bis 31. Juli bei der Beteiligung mit!
Die Taborstraße war immer eine Verbindung. Machen wir sie jetzt zu einem Ort, an dem man auch bleiben will.

